Wie reagiere ich als Pflegefachkraft auf Beschuldigungen von demenzkranken Menschen im Krankenhaus?

 1.)  Frau M., beschuldigt die Schwester vom Frühdienst: Da hat heute Nacht jemand Wasser in mein Bett gekippt. Ich glaube, dass Sie das waren. Was man sich hier alles bieten lassen muss. Machen Sie das gefälligst wieder sauber.

Oder

2.)  Herr W. findet seine Brille und sein Gebiss nicht und er beschuldigt die Pflegekraft oder vielleicht auch seinen Bettnachbarn, dass diese die Brille und das Gebiss gestohlen haben. Er hat keine Erklärung dafür und deswegen muss ein anderer am Verschwinden schuld sein.

Warum reagiert ein demenzkranker Mensch manchmal mit solchen Anschuldigungen und was kann ich tun?

Im ersten Fall ist es vermutlich so, dass die demenzkranke Patientin ihre Inkontinenz nicht zugeben will, aus Scham oder es aufgrund ihrer Wahrnehmungsdefizite einfach nicht wahrhaben will. Also wird fremdbeschuldigt, denn: „ es kann doch nicht sein, dass ich ein Bett einnässe. Das habe ich ja noch nie gemacht. Also war es jemand anderes, der mir was Böses anhängen will. So was Peinliches.“

Im zweiten Fall hat der Patient vermutlich seine Brille und sein Gebiss selbst verlegt oder vielleicht auch in den Mülleimer im Bad geworfen, weil er diesen als Aufbewahrungsbehälter verkannt hat. Manche Demenzkranke legen zuhause ihr Gebiss in den Kühlschrank (da hält sich was frisch) und die Zeitung oder die Brille oder die wertvolle Uhr unter die Matratze. Zusammenhänge verschwimmen allmählich und können nicht mehr zugeordnet werden.

So geschieht dies täglich in den Bereichen, in denen Demenzkranke leben oder sich auch zeitweise aufhalten und nicht zurechtfinden.  Es kommt immer wieder zu ungerechtfertigten Beschuldigungen und zu Misstrauen. Pflegekräfte aber auch Angehörige kann dies sehr kränken, sie empfinden diese Anschuldigungen häufig als bösartig, insbesondere dann, wenn noch andere Menschen mithören und es für wahr halten.

Machen Sie sich in solchen Situationen klar, dass der Demenzkranke aufgrund der Veränderungen im Gehirn  in der Orientierung und Wahrnehmung eingeschränkt ist, seine Gefühle und Impulse nicht mehr wie früher steuern kann und somit tatsächlich nichts für sein Verhalten kann. Sie helfen dem Patienten viel indem Sie dieses Verhalten nicht als persönlich nehmen. Versuchen Sie auf keinen Fall unbedingt Recht zu behalten. Dies führt zu unnötigen Diskussionen, die Sie immer verlieren werden und die ihre Kraft kosten.

Die Anschuldigungen und das Fremdbeschuldigen ist ein Symptom der Krankheit im frühen Stadium.

Versuchen Sie die Patienten zu beruhigen. Nehmen Sie, wie im ersten Fall, ruhig einmal die Schuld auf sich und beziehen einfach das Bett neu, ohne Widerworte. Streiten Sie nicht.

Signalisieren Sie, dass Sie den Ärger (Gefühl) verstehen können: „Da kann man sich auch drüber ärgern! Ich verstehe das!“

Wenn Sie den Patienten helfen wollen, dann geben Sie ihnen das Gefühl der Sicherheit indem Sie ihnen beim Suchen helfen. Es ist besser, wenn der Patient den Gegenstand in ihrem Beisein findet, denn wenn er ihn alleine findet, bestätigt das vielleicht seine Annahme, dass Sie die Sachen versteckt oder gestohlen haben.

Menschen mit Demenz verlieren nach und nach ihre Orientierung, und für sie ist das, was ihnen ihre Gefühle sagen, die sie dann auch häufig spontan äußern, die einzige Orientierung.

In dem Sie ihre Gefühle bestätigen und mit ihnen  darüber reden, werden sie sich verstanden fühlen und wertgeschätzt, und das Gefühl von Angst und Bedrohung wird langsam weichen.

Ein gutes Gefühl auf beiden Seiten!

 

 Astrid Krächan

 

 

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