Delir bei Demenz – Was Sie als Angehöriger tun können !

Es ist nicht einfach einen demenzkranken Menschen zu Hause zu pflegen, sozusagen ein 24 Stunden-Job . Dann kommt die Nachricht, die demenzkranke Mutter oder der demenzkranke Vater soll ins Krankenhaus, wegen einer internistischen Abklärung. Man weiß nicht, soll man sich über die Entlastung freuen, oder eher, was kommt denn jetzt alles noch auf mich zu?

Ein Krankenhaus-Aufenthalt und sei er noch so gut vorbereitet, ist immer belastend für den demenzkranken Patienten, selbst wenn er die Einsicht zur Behandlung noch hat. Die veränderte Umgebung, der veränderte Ablauf im Tagesrhythmus allein, sorgen schon für Unruhe, Ängste und in der Regel für zunehmende Verwirrtheit.

Ungewöhnliche Veränderungen

Bemerken Sie aber bei einem Besuch, dass Ihr Angehöriger noch mehr verändert ist, als Sie es von ihm gewohnt sind, z.B. dass er plötzlich eingetrübt ist, gereizt oder apathisch ist, Ihren Worten  nicht mehr  folgen kann, sie als Person verkennt , kleine Tiere sieht (Spinnen, Ameisen), die für Sie nicht da sind, oder Stimmen oder Musik hört, die sie nicht hören  – kurz und gut – wenn Sie Halluzinationen an ihm wahrnehmen oder zunehmende Unruhe, Schreckhaftigkeit oder andere Ihnen ungewohnte Veränderungen, sollten Sie unbedingt die Pflegefachkräfte darauf aufmerksam machen. Häufig ist auch der Schlaf-/Nachtrhyhtmus gestört, d.h.  die Patienten sind tagsüber schläfrig und nachts aktiv und unruhig. Es kommt zu einer nächtlichen Verschlimmerung der Symptomatik und die Symptome können im Tagesverlauf schnell wechseln.

Es könnte sich hier bei Ihrem Angehörigen um einen ‚akuten Verwirrtheitszustand‘ ein sogenanntes  ‚Delir‘ handeln. Bei demenzkranken Menschen im Krankenhaus ist dies nicht selten der Fall. Etwa 50% der demenzkranken Menschen erleiden bei einem Krankenhausaufenthalt zusätzlich ein Delir.

Was Sie als Angehöriger tun können

Sprechen Sie mit dem Pflegepersonal. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Angehöriger nicht alleine ist. Vielleicht übernehmen Familienmitglieder, Nachbarn oder Kinder ein paar Stunden Betreuung im Krankenhaus. Viele Krankenhäuser bieten ein sogenanntes ‚Rooming in‘ an. Ihr demenzkranker Angehöriger braucht jetzt sehr viel Nähe von bekannten Menschen und immer wieder Orientierung. Das kann das Pflegepersonal in der Regel auf einer Akutstation nicht leisten.

Ziehen Sie Ihrem  Angehörigen Brille und Hörgerät an, soweit vorhanden. Achten Sie darauf, dass die Zahnprothese getragen wird. Bieten Sie ausreichend Getränke an.  Achten Sie auf eine ausreichende Ernährung. Beschäftigen Sie in mit Zeitschriften, die Sie gemeinsam lesen und Fotos, die Sie gemeinsam anschauen. Eine frühzeitige Mobilisierung wirkt dem Delir entgegen.

In der Regel geht dieser delirante Zustand bald vorbei, wenn die Ursache behandelt ist und Sie ihrem Angehörigen die nötige Zuwendung und Orientierung geben.

Als Angehöriger sind Sie ein wichtiger Ansprechpartner und Vermittler zwischen Patient und Pflegepersonal. Ihre Mithilfe ist in diesem Fall zwingend erforderlich.

Astrid Krächan

2 Kommentare

  1. Uschi Keller
    8. Mai 2014 — 10:25

    Finde den Artikel gut. Aber was hier erwartet und vorgeschlagen wird und als zusätzliche Betreuung empfohlen wird, müßte dem zu Folge in Heimen ja gegeben sein. Ist es natürlich nicht. Habe meine Mutter in einem guten Heim – das jedoch personell total unterbesetzt ist. Dort sind alle fertig: Bewohner und Mitarbeiter. Tut was. Tag der Pflege hilft nix!!

    • akraechan
      8. Mai 2014 — 14:13

      Sehr geehrte Frau Keller,
      Sie haben natürlich Recht. Die Pflege ist chronisch unterbesetzt und wir kommen oder sind schon an unseren Grenzen. Nicht umsonst finden Demonstrationen in ganz Deutschland statt um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Der ‚Tag der Pflege‘, die bekannten Flashmops ‚ Pflege am Boden‘ oder Demonstrationen in ganz Deutschland sind ein Hilfeschrei um auf den Pflegenotstand sowohl im Krankenhaus als auch in Altenheimen aufmerksam zu machen.
      In unserem Blogbeitrag mache ich Vorschläge, was man als Angehöriger im Krankenhaus tun kann um einen sogenannten ‚akuten Verwirrtheitszustand‘, fachsprachlich ‚Delir‘ genannt zu erkennen, zu verhindern oder wenn er eingetroffen ist, schnellstmöglich zu behandeln bzw. die Behandlung anzuregen. Auch bei der jetzigen Personallage im Krankenhaus sind wir auf die Aussagen und Hilfen von Angehörigen dringend angewiesen.
      Die Politik muss handeln, hoffentlich bald.
      Astrid Krächan

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